Absturzstelle eines im 2. Weltkrieg verunglückten „ Nachtjägers“

Absturzstelle eines im 2. Weltkrieg

verunglückten „Nachtjägers“ 

An der Wanderstrecke vom „Leo Löwe Kreuz“ am  Plackweg  nach Breitenbruch

E 8° 7‘ 31,08“   N 51° 24, 4‘ 40,5“

409 m NN 

Erinnerung an einen Flugzeugabsturz.

Während eines Nachteinsatzes stürzte hier, in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1944,

ein in Dortmund- Brakel gestarteter zweimotoriger „Nachtjäger“ vom Typ: Messerschmitt BF 110 G ab.

 

Die Besatzungsmitglieder: 

Werner Hühn  Flugzeugführer  geb. 24. 12. 1922

                             Willi Tschuk     Bordschütze     geb. 12. 11. 1924                             

Kurt Teep       Bordfunker       geb. unbekannt 

starben an der Unglücksstelle.

 

Spuren des Absturzes

Noch  75 Jahre nach dem Unglück können Kleinteile des

Flugzeuges gefunden und Veränderungen im Bewuchs des Waldstückes festgestellt werden.

Der Waldboden bewahrt die Erinnerung

Noch immer finden sich Trümmerteile eines 1944 am Plackweg abgestürzten deutschen Nachtjägers

Achim Gieseke

Oeventrop 74 Jahre ist es her, doch noch immer gibt der Waldboden am Plackweg hoch über Oeventrop Trümmerstücke frei, weist eine etwa 200 Meter lange Schneise im sonst dichten Baumbestand auf die Unglücksstelle. Dort kamen in der Nacht auf den 11. November 1944 drei junge Männer ums Leben. Beim Absturz eines deutschen Nachtjägers. Zu einer Zeit, als der sinnlose Krieg schon längst verloren war.

Die Bilder an der Absturzstelle am Mittag nach dem Unglück hat der Oberglösinger Herbert Spindeldreher (87), damals ein Knabe von 12 Jahren, noch immer vor Augen. „Wir hatten nachts einen lauten Knall gehört, und wir Jungs sind dann am anderen Tag nach der Schule sofort in den Wald gerannt, um zu schauen, was da passiert war.“

Was die Schüler dort sehen mussten, das hat sich Herbert Spindeldreher fest ins Gedächtnis eingebrannt. „Das zweimotorige Flugzeug war völlig zerstört, überall Aluminiumteile in allen Größen, die zwei riesigen Motoren weit auseinander auf dem Waldboden verteilt, abrasierte Bäume in der Absturzschneise.“ Das Schlimmste aber: „Die drei toten Flieger, die dort noch immer auf dem aufgewühlten Boden lagen.“

Besatzung kommt ums Leben

Nur wenig später wird dann die Absturzstelle großräumig von der Wehrmacht abgeriegelt, für Zivilisten gibt es kein Durchkommen mehr. Nur für „Luer“ Kraas aus Oeventrop. „Der hat mit seinem Fuhrwerk die Leichen abtransportiert,“ weiß Herbert Spindeldreher noch heute. Und auch die größeren Trümmerstücke.

Zwei der drei Luftwaffenangehörigen – der 21-jährige Unteroffizier Werner Hühn (Pilot) und der 19-jährige Obergefreite Willi Tschuk (Bordschütze) – werden auf dem Oeventroper Friedhof bestattet. Dort ruhen sie noch heute. Das dritte Besatzungsmitglied, der Unteroffizier Koop (Bordfunker), wird in seine Heimat überführt. Besonders tragisch: Der 19-jährige Tschuk fällt einen Tag vor seinem 20. Geburtstag. Wofür?

Aber warum ist der Nachtjäger vom Typ Bf 110 mit der Kennung „G9 + IZ“ abgestürzt? Wurde er abgeschossen? Gab es einen technischen Defekt? Nein, Ursache ist ein für Flieger besonders in jener Zeit gefährliches Wetterphänomen.

Das hat Dr. Helmut Mauermann, Lehrer am Arnsberger Mariengymnasium, der in seiner Freizeit das regionale Luftkriegsgeschehen im Lippstädter Raum erforscht, auf Anfrage unserer Zeitung aus alten Luftwaffen-Unterlagen – dem Bericht des Fliegerhorstkommandos Dortmund - herausfinden können:

„In der kalt-feuchten Nacht vom 10. auf den 11. November 1944 sind die Tragflächen vereist, daraufhin riss die Strömung ab und der Flugzeugführer konnte die Maschine nicht mehr halten.“ Mauermann, auch Autor eines Buches über den Fliegerhorst Störmede, konnte noch mehr herausfinden:

Walter Scheel ist ein Fliegerkamerad

Das abgestürzte Flugzeug zählte zur 12. Staffel der in Dortmund stationierten IV. Gruppe des Nachjagdgeschwaders 1. Diesem Geschwader, so Dr. Helmut Mauermann, gehörte auch der spätere Bundespräsident Walter Scheel an.

Zurück zur Absturzstelle im tiefen Wald am Plackweg. Dort hat der Oeventroper Heimatforscher und Naturfreund Herbert Padberg erst in diesen Tagen bei einfachen Grabungen weitere Trümmerteile der Maschine entdeckt – unter anderem ein Seitenruderpedal, Leitungsteile und Teile der Kanzelverglasung.

Padberg war es auch, der an der Unglücksstelle im Mai des Jahres ein Kreuz errichtet hat, um an die drei Gefallenen zu erinnern. „Weil man so etwas nicht vergessen darf.“ Und das treibt auch den 86-jährigen Herbert Spindeldreher noch immer um: „Sie waren doch so jung.“

Vergessen werden Werner Hühn, Karl Koop und Willi Tschuk sicher nicht im Haus der Oeventroper Familie Höhmann. Wenn dort zu Weihnachten die Krippenbeleuchtung eingeschaltet wird, verkündet seit Kriegsende ein ganz besonderes Licht den Frieden in der Welt: eine kleine Glühbirne aus dem Instrumentenbrett des Unglücksflugzeugs.

Dieses kleine Lämpchen hat vielleicht auch den drei jungen Fliegern in jenen schrecklichen Nächten am Himmel über Deutschland durch sanftes Leuchten so etwas wie Geborgenheit in der abgedunkelten und engen Kanzel gespendet. Und vielleicht war es auch das letzte Leuchten, das sie in ihrem Leben gesehen haben.

Der Waldboden bewahrt die Erinnerung